Hughesoffka - Briefe aus dem Wilden Feld

Donetzk, Hauptstadt des Donbass, vielbesungener Sowjetmythos, ist britischen Ursprungs.
Der  Waliser John Hughes begann 1870 mit 100 britischen Ingenieuren die Kohlevorkommen zu erschließen und die Stahlindustrie im Donetzker Becken aufzubauen. In kürzester Zeit erlebt die öde Grenzregion einen rasanten Aufschwung. Man spricht von einem Neuen Amerika.
Fast 50 Jahre herrscht Hughes mit seinen Söhnen uneingeschränkt in Hughesoffka (Juzovka). Nach der Revolution werden die Spuren der Briten getilgt. Aus Juzovka wird Stalino.

1929 entsteht Dziga Vertovs Donbass Sinfonie: Kohlegruben, Stahlproduktion, Maschinen - dynamisch montiert. Der neue Glaube gilt der Materie. Die Kirche wird Kino, Hochspannungsmast statt Kreuz, unter Beifall werden Ikonen verbrannt, Kirchenkuppeln gestürzt, eine Leninbüste von junger Frauenhand gemeißelt...

Heute strömen im Donbass die Menschen in die aufgebauten Kirchen bzw. die neue Moschee.
Fußballer anstelle von Bergarbeitern posieren als neue Helden.
Die Donbass-Arena für den FC Shakhtar Donetzk entsteht mitten im Stadtzentrum, unweit davon ein erstes John-Hughes-Denkmal.
Die neuen Unternehmer besinnen sich gern wieder auf den kapitalistischen Gründungsvater von Donetzk.
Er hatte übrigens seinerzeit den Fußball in den Donbass gebracht - ein bereits in Wales bewährtes Mittel gegen die Trunksucht.

Das Archiv in Cardiff hütet die Zeugnisse jener  "walisischen Zeit", Briefe und Photos vom Leben in der fremden, russischen Steppe.